Ausgegrenzt – trotz guter Taten

Ein Skandal war es mal wieder! Am letzen Wochenende machten sich 1.500 friedliche Demonstrant*innen auf den Weg mehr Frauenrechte einzufordern und wie im Jahr zuvor wurden sie von der Berliner Polizei (in einer Mannschaftsstärke von 1300 Beamten!!!) daran gehindert, ihre Meinung in der gewünschten Weise kundzutun.

Eine Unverschämtheit! Mit Absperrgittern aus Stahl haben die Ordnungshüter ihnen den Weg versperrt, haben Pfefferspray und harte Faustschläge eingesetzt, eine Person krankenhausreif geschlagen, und einige in den Bau gesperrt – dabei engagieren sie sich doch alle für eine gute Sache! Es galt, dem Aufmarsch von etwa 7000 „reaktionären Kräften“ entgegenzutreten und den „sogenannten Marsch für das Leben“ möglichst ganz zu verhindern.

Die Absichten jener aus dem ersten Bündniss (getragen von 19 Organisationen)  waren lobenswert und auch an ihrem Konzept war nichts auszusetzen, im Gegenteil: Sie wollten bei ihrer Demo „einen Raum schaffen, der so diskriminierungsarm wie möglich ist“ sie wollten „gemeinsam darauf achten, dass es nicht zu ausgrenzenden oder diskriminierenden Situationen kommt“ denn „Verhaltensweisen und Äußerungen, die Menschen diskriminieren, sind nicht mit dem Inhalte unserer Demo und Aktionen vereinbar und sollten durch gemeinsames Handeln unterbunden werden.“ Jene vom zweiten Bündnis (getragen von 39 Organisationen) hatte die Rückendeckung von Berlins Oberbürgermeister Müller, den Grünen, den Linken, Teilen der SPD, den Humanisten und vielen anderen mehr – sprich, sie hatten nichts weniger als die Mitte der Gesellschaft hinter sich! Ihr Anliegen war ebenfalls löblich und hehr: Es galt „hetzende Fundamentalist*innen, welche Mädchen und Frauen jedes Recht auf Selbstbestimmung nehmen, zu stoppen“ und in die Schranken zu weisen.

So hat man sich zunächst unter dem Brandenburger Tor getroffen um letzte Argumente unter Freunden auszutauschen…

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um anschließend die vorher liebevoll gestalteten Transparente der deutschen Hauptstadt stolz zu präsentieren: Zu lesen waren Slogans wie:

  • Ficken statt beten
  • Kondome bis zum Volkstod
  • Abtreiben gegen Deutschland
  • Muschi Imperialismus

und vieles Ähnliche mehr (Bilder davon kann man z. B. hier, oder hier bewundern).

Die Grüne Jugend hat vor dem Hauptbahnhof liebevoll und mit voller Innbrunst der vorbeiziehenden Menge „Hätt Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben“ zugerufen und als Novum hat man eine übergroße Pappfigur mit einer sich selbst befriedigenden Madonna präsentiert. Weil man sich zudem von den schweigenden Gläubigen hinter dem Absperrzaun dermaßen provoziert fühlte, hat eine junge Dame zu entsprechenden Handbewegungen in ein Megafon gestöhnt, damit auch noch der letzte der „Hetzer“ die überzeugenden Argumente für ein Recht auf Abtreibung zu hören bekommt.

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Dies war auch mehr als notwendig, denn die „reaktionären Fundamentalist*innen“ hinter dem Absperrgitter trugen Transparente mit „gruseligen Inhalten auf die Straße, wie z. B.:

  • Zuwendung statt „Sterbehelfer
  • Jeder Mensch ist Würdeträger
  • Töten ist keine ärztliche Kunst
  • „Echte Männer“ stehen zu ihrem Kind

und andere die wir an dieser Stelle gar nicht erst zitieren möchten…

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Auf Seite der Guten hatte man jedoch aus den Erfahrungen der letzten Jahre gelernt, und weil man wieder von einem unfairen Einsatz der Polizei ausgehen musste, hat man sich notgedrungen diverse Strategien zurechtgelegt: So wurde eigens ein Arbeitskreis gebildet, der u. a. den genialen Plan erarbeite mit Hilfe von „Stinkbomben, Furzspray, Gülle und alles, was das Haltbarkeitsdatum lange überschritten hat“ jene hinter dem Absperrgitter zu bewerfen. Andere schlugen vor, auf die bewährten Mittel der letzten Jahre zurückzugreifen und Tampons als Wurfgeschosse zu verwenden.

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Die Nächsten wiederum haben beschlossen, als Hexen verkleidet die Teilnehmer des Marsches zu verfluchen! Viel Kreativität wurde freigesetzt, als es darum ging, dem „Mittelalter“ den aufgeklärten Feminismus nahe zu bringen…

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In den Pausen zwischen den Sprechchören hat man permanent Zeichen für mehr Toleranz und gegen Diskriminierung gesetzt, denn als Enkel einer Rosa Luxemburg fühlt man sich geradezu vorherbestimmt nach deren berühmten Satz „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“ zu handeln.

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Und weil die Späher im Kampf gegen Rechts mindestens eine Vertreterin der AfD im „Aufmarsch“ der „Fundis“ erblickten, hat man kurzerhand alle vom Schweigemarsch als Nazis tituliert und ihnen ein lautstarkes, natürlich diskriminierungsarmes „Wer mit der AfD marschiert, der ist ein Nazi!“ entgegen gehalten.

Die etwa 7000 „Fundis“ haben sich von dem tausendfach skandierten „kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“ nicht beeindrucken lassen und zum Abschuss ihres „Aufmarsches“ vor dem Reichstagsgebäude tatsächlich einen Gottesdienst gefeiert. Spätestens als sie sich erdreistet hatten zu reden und zu singen, haben die Guten dies wieder in gekonnter Manier zu verhindern gewusst: Während das „Mittelalter“ den Gottesdienst zelebrierte, hat man auf Seite der Guten durchgehend und aus voller Kehle die eigenen feministischen Parolen zum Besten gegeben und hat den Frauen, Kindern, Cis-Männern und Sonstigen hinter dem Absperrgitter, Eier und eine rote Mixtur (vermutlich nach den Anregungen des bereits erwähnten Arbeitskreises hergestellt) im hohen Bogen zukommen lassen so wie die selbst gestalteten Konfetti mit der eigenen Agenda „schwul, pervers und arbeitsscheu“.

Als die wunden Kehlen schließlich zu versagen drohten wurde eine mobile Verstärkeranlage herbeigeholt, um damit die Veranstaltung der Gläubigen vollständig zu beglücken (einen kleinen Eindruck davon gibt z. B. dieses Video hier).

Doch wie es das Schicksal wollte, haben die Beamten aus unerfindlichem Grund nach einiger Zeit wieder zu fiesen Mitteln gegriffen: Sie entwendeten den Guten den fahrbaren Gettoblaster, und haben unter Anwendung roher Gewalt schließlich einige abgeführt… Ihr „Freunde und Helfer“, wenn das nicht ein aktives Behindern von guten Taten ist,  was dann???

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Trotz diesem fiesen Vorgehen der Polizei konnte man im Lager der Guten auch Positives verzeichnen: die Ordnungshüter haben mit ihrem Absperrgitter verhindert, dass die eigene Demo von den „fundamentalistischen Hetzern“ nachhaltig gestört wurde (Man nehme dazu die hochoffizielle Meldung der Polizei auf Twitter zur Kenntnis).

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Welches Fazit kann man aus all dem ziehen, wenn nicht jenes, dass Undank der Welt Lohn ist?

Wir rufen daher alle Menschen guten Willens auf, in Zukunft die Guten nach Kräften zu unterstützen! 

Wäre es nicht angebracht, wenn  wir ihnen helfen, den Inhalt ihrer Forderungen für jedermann sichtbar zu machen?

Die Sprecherin des ersten Bündnisses hat sich in diesem Radiointerview für Abtreibungen „bis kurz vor der Geburt“ ausgesprochen und  das zweite, aus der Mitte der Gesellschaft unterstützte, „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“ hat in seiner Bündniserklärung „den uneingeschränkten Zugang zu einem legalen Schwangerschaftsabbruch und die Streichung des § 218 aus dem Strafgesetzbuch“ gefordert.

Ist es daher nicht angebracht, dass man den Guten hilft ihre Forderung mit Bildern zu untermalen, so wie es z. B. unsere Freunde in Polen auf den Plätzen ihrer Innenstädte tun? Das wäre gewiss ein guter Beitrag zu mehr Aufklärung!

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