Keine Folgen?

Keine Auswirkungen – alles ist gut, alles ist gut…

Welche psychischen Folgen kann eine Abtreibung für betroffene Frauen haben? Bei pro familia – hierzulande größter Anbieter entsprechender „Gesundheitsdienste“ – informiert Interessierte wie folgt:

„In Studien haben sich keine langfristigen Auswirkungen des Schwangerschaftsabbruchs auf die psychische Verfassung von Frauen gezeigt.“ (Link)

Wer sich eine zweite fachkundige Antwort einholen möchte, kann dies gleich bei Planned Parenthood, dem Weltmeister in Sachen „reproduktive Rechte“, tun:

„Legal durchgeführte Abtreibungen haben keine psychischen Folgen für die betroffenen Frauen“ (Link)

RegretAbortion
Die Erfindung der Abtreibungsgegnerinnen…

Psychische Folgen (von manchen als Post-Abortion-Syndrom bezeichent) hält Planned Parenthood für nicht existent und eine Erfindung der Abtreibungsgegner. Seltsamerweise, scheinen manche das Bedürfnis zu haben, mit ihren Erfindungen hausieren zu gehen…

Wenn leise Zweifel an der Neutralität von pro familia aufkommen, informiert sich Frau bei der BzgA denn diese ist „unabhängig und wissenschaftlich fundiert“ – sie erfährt dort:

„Die internationale Studienlage zeigt allerdings, dass es keinen wissenschaftlichen Beleg für das PAS gibt … Wissenschaftliche Studien kommen zu dem Schluss, dass ein Abbruch allein das Risiko für die Entwicklung psychischer Störungen nicht erhöht.“

Wissenschaftlicher und unabhängiger als die BzgA geht nicht! Darum: wer betreutes Denken liebt, möge hier bitte nicht weiter lesen…

…gäbe es nicht die lästigen Fakten…

2006 erschien im Journal of Child Psychology and Psychiatry die laut „The New Zealand Herald“ international größte Studie zu den Folgen von Abtreibungen bei jungen Frauen. Projektleiter Fergusson – nach eigenen Aussagen Atheist und Abtreibungsbefürworter – war selbst überrascht von den Ergebnissen, denn diese belegen eindeutig die negativen Folgen von Abtreibungen. In einem Interview mit dem Sender ABC wird Fergusson zur genannten Studie mit folgenden Worten zitiert:

„Abtreibung ist ein traumatisches Ereignis.“ („Abortion is a traumatic life event“) (Link)

Im Folgenden einige seiner Studienergebnisse (Prozentanteil der Frauen die abgetrieben hatten gegenüber jenen, die in den letzten 4 Jahren nicht schwanger waren):

  • eine schwere Depression erlitten: 47% der 18-järigen, 17% der 21-jährigen, 19% der 25-jährigen

  • Angststörungen erlitten: 26% der 18-järigen, 10% der 21-jährigen, 22% der 25-jährigen

  • Suizidgedanken hatten: 27% der 18-järigen, 13% der 21-jährigen, 19% der 25-jährigen

Wie sieht es mit weiteren Studien und deren Ergebnissen aus?

Die Studie von Jesse R. Cougle, David C. Reardon, Priscilla K. Coleman, die 2003 im Medical Science Monitor publiziert wurde kommt zum Schluss:

„Die Wahrscheinlichkeit dass Frauen ein ‚hohes Risiko‘ für eine klinische Depression erreichen, war bei jenen, die ihre erste Schwangerschaft abgebrochen hatten, um 65% grösser, als bei denen, die ihr Kind ausgetragen hatten.“ (Seite CR157)

Eine weitere Studie von M. Gissle, E. Hemminki, J. Lonnqvist, welche 1996 im British Medical Journal veröffentlicht wurde und in der im Verlauf von 7 Jahren alle Fälle von Selbstmord in Finnland untersucht wurden stellt fest:

„Unsere Daten zeigen jedoch deutlich, dass Frauen nach einer Abtreibung ein erhöhtes Risiko von Selbstmord haben […].“

In Deutschland kommt die Würzburger Psychologin Dr. Maria Simon eigenen Untersuchungen zufolge u. a. zu folgenden Ergebnissen:

„Die möglichen psychischen Spätfolgen nach einer Abtreibung, deren Existenz circa 80% der befragten Frauen bejahen, sind viel gravierender als die somatischen […] Generell kann man sagen, dass nach einer Abtreibung als psychische Spätfolgen gehäuft auftreten: Reue- und Schuldgefühle, Selbstvorwürfe, Stimmungsschwankungen und Depressionen, unmotiviertes Weinen, Angstzustände und schreckhafte Träume.“ (S. 137)

…oder die Aussagen jener, die es selber erfahren haben

Am aussagekräftigsten sind aber, wie so oft, Aussagen betroffener Frauen. Diese zeigen ungeschminkt die tatsächlichen Gefühle und Empfindungen der Betroffenen, denn sie unterliegen nicht dem PR-Sprech von Organisationen wie pro familia.

Ein paar Zitate welche in Büchern veröffentlicht wurden:

„Es war und ist so furchtbar… Alle (vor allem meine Familie) sagten, dass es nicht so schlimm sei… Doch, es ist schlimm! Sehr schlimm!“ (S. 13)

„[…] Ich weiß, dass ich nie wieder gutmachen kann, was ich an Deiner winzigen Seele und Deinem kleinen Leben verbrochen habe […].“ (S. 114)

„Seitdem hasse ich jeden Mann.“ (S. 155)

Eine Ärztin, die eine ihrer Patientinnen zu Wort kommen lässt:

„Ich habe das Gefühl, als sei mein Leben gelaufen, als sei ich mit gestorben, damals auf dem Stuhl.“ (S. 55)

Was früher vorwiegend hinter verschlossenen Türen zu hören war, kann man heute in vielen Internetforen in „Echtzeit“ mit verfolgen. Die dort geäußerten Statements geben Einblick, in die Gefühlslage der jener die persönliche Erfahrungen gemacht haben:

„Wenn ich entspannt bin, kommt ein schreckliches Gefühl irgendwo aus einem Winkel meines Körpers und sagt mir, dass ich eine Mörderin bin. Ich hasse dieses Gefühl. Ich grübele über die Abtreibung nach bis mir schlecht ist.“ (Link)

Nachfolgend ein Post von facebook: Die Frau hat noch 9 Jahre danach das Gefühl, dass „ihr Herz in Stücke reißt“, wobei die Studien laut pro familia und BzgA doch das Gegenteil belegen. Seltsam, seltsam… oder ist es ein Fake-Post von einem Abtreibungsgegner-Troll?

Jenseits des Atlantik ist es nicht besser:

Zwei Wochen nach der Abtreibung bekam ich Wehen. Ich torkelte in das Badezimmer. Dort, im Beisein meines Mannes, gebar ich einen Teil meines Babys das der Arzt übersehen hatte. Es war der Kopf des Babys… Ich werde mitten in der Nacht wach und glaube zu hören, dass mein Kind weint. Ich habe immer noch Albträume in welchen ich gezwungen bin mit anzusehen wie mein Baby vor mir zerstückelt wird. Ich wache dauernd auf mit dem Wunsch mein Kind zu stillen, es zu halten. Und dies sind Dinge von denen der Arzt mir niemals etwas erzählt hat. – Lori Nerad

Am 6. Januar 1989, in der 9 1/2 Woche hatte ich eine Abtreibung. Sie hat mich fast umgebracht. Nein, nicht der chirurgische Eingriff sondern die psychologischen Folgen. Drei Mal hab ich versucht Selbstmord zu begehen was damit endete, dass in einer psychiatrischen Anstalt für Jugendliche landete und einen Monat brauchte um mich wieder zu erholen […] Die Arbeit am Hochdrucksterilisator war niemals einfach. Ich sah mein verlorenes Kind in jedem Behälter, der Körperteile abgetriebener Babys enthielt. Eines Nachts, nachdem ich am Sterilisator gearbeitet hatte waren meine Albträume so grauenhaft, schrecklich und intensiv, dass ich die Direktorin der Klinik traf um über meine Gefühle zu sprechen. Sie war sehr verständnisvoll, offen und ehrlich, und furchtbar direkt als sie mir sagte: ‚Was wir hier tun, ist ein Leben beenden – schlicht und einfach‘. – Jewels Green, ehemalige Mitarbeiterin einer Abtreibungsklinik (Link)

Wer der Ansicht ist, die oben genannten Zitate seien selektiv und einseitig, dem empfehlen wir, doch bitte selber den Blick in eines der vielen Foren zu werfen, in denen betroffene Frauen Erfahrungen mit Gleichgesinnten austauschen (z. B. hier, hier oder hier – und diese Foren stehen gewiss nicht der Lebensrechtsbewegung nahe…). Die eigene Recherche sollte es ihnen Wert sein, denn Informationen aus erster Hand sind durch nichts zu ersetzen.

Unser Fazit:

Ob die oben genannte Darstellungen von pro familia der Wahrheit entsprechen, möge jeder (am besten nach eigener Recherche) für sich selbst entscheiden.

Dass Anbieter entsprechender „Gesundheitsdienste“ die Folgen von Abtreibungen herunterspielen wollen, ist zwar verständlich – sie aber vollständig zu leugnen ist unredlich, verlogen und zutiefst frauenfeindlich – denn man lässt jene ins Messer laufen, die nachher damit leben müssen.

Quellen:

Bildrechte: flickr.com, TFP Student Action (CC BY-ND 2.0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Fakten sichtbar machen