Murat, Alex und Ben im Regenbogenland

Großes Kino im Regenbogenland! Die Hauptstadt prescht voraus und stellt erstmalig im deutschsprachigen Raum eine Handreichung vor, welche Kita-Fachkräfte darin unterstützt „sich im Rahmen der Inklusionspädagogik mit den Vielfaltsdimensionen Geschlecht, Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung zu beschäftigen“.

Oder um es etwas einfacher zu sagen: die Handreichung ist eine Anleitung für den Umgang mit Kindern wie Murat, Alex oder Ben. Wir haben die drei besucht:

Murat ist ein quirliger Vierjähriger, der sich gerne schöne Kleider anzieht, seine Fingernägel bemalt und am liebsten Prinzessin spielt. Das finden alle in der Kita schön, denn Murat wusste „schon immer“ (Seite 22) dass er ein Mädchen ist. Die Kita-Fachkräfte nehmen Murat immer ernst, respektieren seine Aussagen und unterstützen ihn in seinen Identitätsfragen. Denn sie wissen: „niemand kann die Geschlechtsidentität eines Kindes ändern“ (Seite 23) und sie wissen ebenfalls, dass „die Unterstützung transgeschlechtlicher Kinder sich positiv auf ihre psychische Gesundheit auswirkt“ (Seite 56).

In der Kita lässt sich Murat am liebsten das Buch „MY DAD THINKS I’M A BOY?!“ (Seite 135) vorlesen, denn bei solchen Geschichten fühlt er sich verstanden. Ihm geht es nämlich ähnlich wie der Stephie, deren Vater einfach nicht wahrhaben will, dass sie ein Mädchen ist. Bei Murat zuhause ist es fast genauso. Yusuf, der Papa vom Murat hatte deswegen auch schon mal einen Termin mit der Kitaleitung, doch diese hat ihm sehr freundlich mitgeteilt, „dass jedes Kind über sein eigenes Geschlecht am besten Bescheid weiß“ (Seite 60), und dass „Diskriminierung jedweder Art in der Kita keinen Platz hat und dass alle Kinder vor Diskriminierung geschützt werden, egal um welches Vielfaltsmerkmal es sich handelt“ (Seite 65).

Murat spielt gerne mit Alex. Er findet auch die beiden Mütter von Alex (siehe Titelblatt) nett, denn sie sind verständnisvoll, ganz anders als die „Rechtspopulisten“ (Seite 11 und 79). Alex hörte solche nämlich mal tuscheln. Sie sagten, dass „dass Kinder für ihre gesunde Entwicklung eine Mutter und einen Vater brauchen, die zusammen leben“ (Seite 43) dabei ist hinreichend bekannt, dass alle solche „Behauptungen und Befürchtungen jeglicher wissenschaftlichen Grundlage und empirischer Nachweise“ entbehren (Seite 44).

In der Kita schmökern Murat und Alex auch gerne im Medienkoffer der neben der Kuschelecke steht. In Liebesgeschichten wie jene aus dem Bilderbuch „KÖNIG & KÖNIG“ (Seite 123) oder „LUZIE LIBERO UND DER SÜSSE ONKEL“ (Seite 124) finden sie die ihnen „bekannten als auch unbekannten Lebenswelten“ wieder und  „erleben sie … als Bereicherung“ (Seite 120). Für „Kinder, die sich lesbisch, schwul oder bisexuell identifizieren (werden)“ (Seite 24) ist der von der Berliner Senatsverwaltung herausgegebene Medienkoffer nämlich wertvoll, denn „für Kinder mit gleichgeschlechtlichen Empfindungen ist es wichtig und stärkend, in der Kita Erfahrungen mit einer positiven Bewertung gleichgeschlechtlicher Liebe und Partnerschaft sammeln zu können“ (Seite 24).

Ben ist das Vorbild der beiden, denn er ist schon fünf und darf bald zur Schule. Bens Eltern dachten zunächst er sei ein Mädchen, und hatten ihn Sophie genannt (siehe Titelblatt). Doch Ben wusste ebenfalls „schon immer“ dass er ein Junge ist. Und so wie es „Mädchen mit Puller“ (Seite 22) gibt, gibt es nun mal auch Jungen ohne Puller. Von einer „Expert_in“ (Seite 102) in der Kita hörte Ben oft: „das Aussehen einer Person lässt keine eindeutige Aussage über ihre geschlechtliche Identität zu“ (Seite 99) oder „dein Wunsch nach der Ansprache mit einem von Dir gewählten Vornamen oder Personalpronomen ist in Ordnung!“ (Seite 100). Ben hat auch beschlossen, sich nicht als Sophie sondern sich mit seinem richtigen Namen, als Ben, einschulen zu lassen. Auch seine Eltern finden den neuen Namen schön. Sie sind nämlich beide Juristen und manchmal hört er sie sagen: „aus rechtlicher Sicht spricht nichts dagegen, dass ein Kind mit seinem selbstgewählten Vornamen und in seinem Wunschgeschlecht eingeschult und im Klassenbuch geführt wird“ (Seite 68) oder „aus menschenrechtlicher Perspektive ist es geboten, den Kindern …. Mitsprache bei sie betreffenden Angelegenheiten zu gewähren. Konkret geht es im schulischen Rahmen … um … Benutzung von Toiletten und Umkleideräumen… später auch Unterbringung bei Klassenfahrten“ (Seite 69). Ben hat gehört, dass neue Schule sehr nett sein soll, denn „der Sportlehrer ruft jetzt nicht mehr: „Alle Mädchen hierher, alle Jungs da lang“, sondern: „Alle, die in die Mädchen-Umkleidekabine gehen, gehen jetzt hier lang, alle, die in die Jungs-Kabine gehen, da lang“. So ein bisschen offener“ (Seite 34).

Schade ist nur, dass Murats Papa ablehnend reagiert, wenn Murat zu Hause zu viel von seinen Freunden aus der Kita erzählt. Er erzählte von Lisa, die sagte: „ich …wollte immer eine Prinzessin sein … Als ich 4 Jahre alt war, wollte ich mir den Penis abschneiden und habe ihn immer versteckt. Ich bin schon immer ein Mädchen, da ist nur der Penis falsch. Den will ich nicht haben. Früher wollte ich den immer abschneiden, aber das nutzt mir nichts, davon bekomme ich auch keine Scheide, sagt Mama. Die kann ich mit 18 Jahren bekommen“ (Seite 51), oder vom 5 ½ – jährigen, geschlechtsvarianten Kim das meinte: „Mein Name ist für Jungs und für Mädchen. Ich möchte mal einen Bart haben, Brüste mit Milch drin, Baby im Bauch, Penis und Scheide und eine hohe Stimme“ (Seite 74).

Als Murat in der Kita erzählte, dass Yusuf, sein Papa, zu Hause negierend reagiert und sogar über Restriktionen nachdenkt, hat die Kita-Leitung schnell erkannt, dass „die Situation auch unter dem Blickwinkel einer möglichen Kindeswohlgefährdung betrachtet werden“ (Seite 57) sollte. Und weil „bei Jugendämtern nicht immer angemessenes Fachwissen bereitgehalten wird“ (Seite 75) hat die Kita-Leitung gerne die Expertise einer auf Geschlechtsvarianz bei Kindern spezialisierten Beratungsstelle in Anspruch genommen. Doch auch die konsultierten Diversity-Experten konnten nicht so richtig weiterhelfen, denn der Fall „Papa Yusuf“, war einer dieser hartnäckigen, „denen am Ende nicht mehr mit dialogischen Möglichkeiten und pädagogisch-fachlichen Argumenten begegnet werden kann“ und nun „muss die Kitaleitung bzw. der Träger ggf. eine_n Kinderschutzbeauftragte_n hinzuziehen und / oder dem Schutzauftrag gemäß § 8a SGB XIII [sic] (KJHG) nachkommen“ (Seite 84). Und was sein muss (!), das muss eben sein.

Aber die Mühen haben sich letzten Endes gelohnt, denn die Sache mit Murats Papa ist gut ausgegangen – wie so oft in Geschichten aus „Tausend und Einer, Nackt“. Die Kinderschutzbeauftragten wissen nun mal, wie man Leuten wie ihm die Spielregeln vom Regenbogenland erklären muss.

Yusuf hat dann auch schnell eingesehen, dass er selbst durch seine negierende Haltung fast zum Kindeswohlgefährder seines kleinen Murat geworden wäre. Und beim Gedanken daran, mit welcher Anmaßung er versucht hatte, die Geschlechtsidentität seines Vierjährigen zu korrigieren stieg ihm tatsächlich die Schamröte ins Gesicht. So hat er versprochen, ab sofort nicht mehr ablehnend sondern ganz lieb zum Murat zu sein.

Danach haben dann alle ein großes Fest gefeiert – so richtig bunt, mit vielen Luftballons und Glitzer und so.

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Die Seitenzahlen beziehen sich auf die „Handreichung“:
MURAT SPIELT PRINZESSIN, ALEX HAT ZWEI MÜTTER UND SOPHIE HEISST JETZT BEN
Link zum Download:
http://www.queerformat.de/material/QF-Kita-Handreichung-2018.pdf

 

2 Gedanken zu „Murat, Alex und Ben im Regenbogenland“

  1. MURAT, ALEX UND BEN IM REGENBOGENLAND

    Die Broschüre kommentiert sich selber .
    Für mehr ist schade .
    Die ,die unsere Kinder seelisch vergewaltigen, müssen ins Behandlung -Dringend
    Biete kostenlos Sprechstunde….

  2. Die Suizidrate bei Transgendern in den U$A liegt bei 40%. Die anderen, die sich genital verstümmeln lassen – denn die „neuen“ vom Onkel Doktor gebastelten Geschlechtsteile funktionieren gar nicht – landen in sozialer Isolation, Einsamkeit, Sterilität und Asexualität.

    Also genau in dem Zustand, der der Kabale in den Kram paßt.

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