Freie Entscheidung?

„Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine!“

…lautet ein beliebtes Mantra feministischer Akteure. Stimmt es aber? Stimmt es tatsächlich, dass Frauen alleine entscheiden?

Gewalt

Wie Frauen anderer Länder es erleben „freie Entscheidungen“ zu treffen, ist ein eigenes Thema. Hier wollen wir uns nur auf die Lage jener in unseren Breitengraden beschränken.

Rechtsexperten haben wiederholt auf Missbrauchsmöglichkeiten im Hinblick auf die Liberalisierung der Abtreibungsgesetzte hingewiesen. Man darf daher zu Recht fragen, ob sich deren Befürchtungen bewahrheitet haben oder aber nicht?

„Entscheidungsfreiheit“ aus Sicht einiger Beobachter

Dazu lassen wir welche zu Wort kommen, die Frauen in einer Schwangerschafts-Konfliktsituation unterstützen: z. B. Christa Heinel – Gründerin der Selbsthilfegruppe RAHEL in Frankfurt welche hier wie folgt berichtet:

„80 % bis 87 % aller Frauen stehen im Schwangerschaftskonflikt unter massivem Druck ihres Umfeldes.“ (S. 144)

Sie gibt die Auswertung eigener Fragebögen bekannt, aus welchen deutlich wird, dass:

„Hunderttausende von Frauen schutzlos den Repressalien ihres Umfelds ausgesetzt waren und sind“, und „Hunderttausende von Frauen gezwungen wurden und werden […] ihr Kind […] töten zu lassen.“ (S. 148)

Martina Kempf lässt in „Frauenfeindlich“ die Hebamme Grundberger zu Wort kommen:

„Die Hebamme Maria Grundberger […] nimmt ihrer Erfahrung entsprechend an, dass bei 70 % aller vorgeburtlichen Kindestötungen in Deutschland von den Männern Druck ausgeübt wird.“ (S. 10)

Eine Äußerung im Deutschen Bundestag vom 13.12.2018:

„Tatsache ist jedoch, in 50% der Fälle stehen Frauen unter externem Druck.“

In den USA ist es ähnlich: der Medical Science Monitor veröffentlichte eine Studie in welcher 64% der Befragten, auf die Frage ob sie sich zur Abtreibung gedrängt fühlten, mit „Ja“ antworteten.

Halten wir fest: wenn die Zahlen auch nur ansatzweise stimmen, erleben (bei ca. 100.000 gemeldeten Abtreibungen) hierzulande jedes Jahr zigtausende (!)  deutscher Frauen ihre „Entscheidungsfreiheit“ als z. T. massiven Druck aus ihrem Umfeld!

Wahrlich, eine feministische Errungenschaft, die es verdient einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht zu werden…

„Entscheidungsfreiheit“ aus Sicht der Betroffenen

Lässt man Betroffene direkt zu Wort kommen, werden abstrakte Zahlen mit Leben gefüllt, und es wird deutlich, wie Frauen, ihren eigenen Worten zufolge, den Druck aus ihrem Umfeld erleben:

„Ich (34) werde gezwungen mein Baby abzutreiben und fühle mich so kraftlos.[…] Dennoch war die Mitteilung meiner Schwangerschaft für ihn die totale Katastrophe und seitdem werde ich bedroht und verbal gezwungen, abzutreiben. […] er drohte mit physischer Gewalt gegen mich […], droht dennoch mein Leben zu zerstören, da ich mit dem Baby seines (sowie alle seine Träume und Wünsche bezüglich eigener Kinder etc.) zerstöre. […] Der Druck ist enorm.“ (Link)

„Mein ex-freund hat mich vor 2 jahren zur abtreibung gezwungen […] er sagte mir wochenlang fast täglich, dass er das kind nicht mehr wolle, dass ich es abtreiben soll.ich sagte ihm natürlich, dass ich das nicht mache. aber es wurde schlimmer, er schubste mich durch die gegend u drohte mir das kind aus dem bauch zu schlagen, wenn ich es nicht abtreiben lasse.aus angst habe ich dann auch das gemacht was er wollte.bis heute leide ich darunter u ich weiß einfach nicht wie ich damit umgehen soll. denke jeden tag daran,mache mir vorwürfe usw.[…] kann mir einer nen rat geben?“ (Link)

„Ich brauche dringend Eure Hilfe. Übermorgen habe ich den Abtreibungstermin. Mir geht es so schlecht. Ich weine unaufhörlich.[…] Ich bin aber gerade 33 geworden, mein Freund ist 38. Wir sind seit knapp 1.5 Jahren zusammen und haben uns in den letzten Monaten nur gestritten. Er ist auch öfter handgreiflich geworden, weshalb ich ihn eigentlich verlassen wollte. Dann kam die Schwangerschaft dazwischen. Er will das Kind auf keinen Fall. Schon vor einem Jahr hat er mich zur Abtreibung gezwungen. Damals waren wir allerdings nur wenige Monate zusammen und ich habe eingesehen, dass es nicht ging. Doch habe ich auch sehr darunter gelitten, habe von dem kind geträumt, […] Ich leide so sehr.“ (Link)

Man könnte obige Liste mit Zitaten betroffener Frauen endlos fortsetzten. Wir halten es aber für hilfreicher, dass sich Interessierte direkt, und aus erster Hand, über die real empfundene „Entscheidungsfreiheit“ der Frauen informieren. Möglichkeiten dazu gibt es viele:  z. B. Webseiten1, Internetforen2, Bücher3 oder natürlich das Gespräch mit Betroffenen Frauen persönlich.

Fairerweise darf man natürlich nicht verschweigen, dass es immer auch Frauen gab, gibt und geben wird, die sich freiwillig und ohne jeden Zwang für eine Abtreibung entscheiden und sogar stolz darauf sind (so wie z. B. diese Feministin, die Ihren Sohn in einem späten Stadium der Schwangerschaft abtrieb, um nicht einem Jungen, einem Monster (!), das Leben schenken zu müssen. Sie bereut ihre Entscheidung nicht, und steht dazu, es jederzeit wieder zu tun).

Auch wenn es jene gibt die frei entscheiden – es gibt sehr wohl auch Gewalt, die direkt mit der Legalisierung der Abtreibung zusammenhängt! Weil diese Tatsachen aber nicht in das Weltbild ehrenhafter Frauenrechtlerinnen passen, verschweigt man sie geflissentlich.

Unser Fazit:

Das Märchen der „Freien Entscheidung“ entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Alptraum für sehr viele der Betroffenen. Diese erleben ihr „Recht auf Selbstbestimmung“ zigtausendfach als Nötigung und z. T. als massiven Druck aus ihrem persönlichen Umfeld.

Weil aber nicht sein kann was nicht sein darf, verschließen selbsternannte Feministen gerne die Augen vor den Realitäten, die nicht zu ihrem Weltbild passen.

Quellen:

Bildrechte: flickr.com, Antonio M. Mora García (CC BY-NC-SA 2.0)


  1. Zum Beispiel: http://www.rahel-ev.de; http://afterabortion.org; http://www.silentnomoreawareness.org 

  2. Zum Beispiel: http://www.nachabtreibung.de; http://www.gofeminin.de/forum/show1_f117_1/gesundheit/schwangerschaft-schwangerschaftsabbruch.html; http://www.paradisi.de/Health_und_Ernaehrung/Schwangerschaft/Schwangerschaftsabbruch/Forum/ 

  3. Zum Beispiel: KEMPF, Martina: Frauenfeindlich – Wie Frauen zur Ungeborenentötung gedrängt werden. 1. Aufl. Gerhard Hess : Bad Schussenried, 2012; Stiftung „JA ZUM LEBEN“: Myriam … warum weinst Du? Uznach : Stiftung „JA ZUM LEBEN – Mütter in Not“, 1996; STANFORD, Susan, M.: Werde ich morgen weinen? – Heil werden nach einer Atreibung. 3. Aufl. Marburg an der Lahn : Francke-Buchhandlung GmbH, 2005 

4 Gedanken zu „Freie Entscheidung?“

  1. Ich bin der Meinung , das jede Frau, die ihr Kind austragen will, in unserem Staat auch die Möglichkeit dazu hat. Es ist natürlich nicht so einfach, mit der finanziellen Unterstützung der Ämter auskommen zu müssen, speziell dann, wenn der Vater nicht zahlen will bzw kann, vielleicht, weil er selbst arbeitslos ist oder anderes. Aber es ist möglich denke ich. Selbst eine minderjährige kann von ihren Eltern nicht zum Abbruch gezwungen werden, genausowenig kann man natürlich auch die Eltern zwingen, ihr Enkelkind großzuziehen ! Wenn der Partner seine Frau dazu zwingen will, soll sie ihn verlassen, dann ist er als Lebensgefährte nichts wert! Man sollte auch die Frauen nicht verurteilen, die kein schwerstbehindertes Kind zur Welt bringen wollen, diese Entscheidung ist bestimmt nicht leicht. Oft brechen die Familien auseinander, wenn ein Kind rund um die Uhr gepflegt werden muss und die gesunden Kinder leiden. Es ist ein so schwieriges Thema, trotzdem ist es gut, das eine Frau entscheiden kann, ob sie ein Kind will oder nicht !

  2. Sofern nachweislich auf die Frauen „Druck“ ausgeübt wird im Sinne des § 240 StGB (Nötigung), dann kann man was machen.

    Wenn der Mann zu seiner Frau sagt, „wenn du nicht abtreibst, beende ich die Beziehung“, dann ist das keine „Drohung mit einem empfindlichen Übel“ im Sinne des § 240 StGB.

    Ausserdem ist es verlogen, wenn Ihr AbtreibungsgegnerInnen einerseits behauptet, abtreibende Frauen träfen keine „freie Entscheidung“, aber Ihr wollt kategorisch jede auch nur theoretische freie Entscheidung zerstören, indem Ihr die Gesetzeslage dahingehend verschärft, dass eine freie Entscheidung von vornherein verunmöglicht wird.

  3. Sehr geehrter Herr Bottesch,

    Sie behaupten, viele Frauen seien zur Abtreibung „gedrängt“ worden.
    Und wie wollen Sie dieses Problem lösen?
    Etwa dadurch, dass Sie die Abtreibung verbieten, unter Strafe stellen, damit die Frau zu ihrem Partner sagen kann:

    „Wegen Dir komme ich nicht in den Knast“!?

    Wenn Ihnen diese „Lösung“ vorschwebt, sagen Sie es bitte!

    Mit freundlichen Grüssen
    Markus Wolf

  4. Um das Thema „Druck auf die Frauen“ abzuschliessen:

    Selbst wenn Sie z.T. Recht haben, dass manche Frauen zur Abtreibung „gedrängt“ bzw. unter „Druck“ gesetzt werden.

    Wenn Abtreibung verboten und bestraft wird, dann werden Frauen vom Gesetzgeber, der Polizei und der Justiz zur Geburt „gedrängt“ und unter „Druck“ gesetzt.

    Sowohl bei Unterbrechung als auch Austragung der Schwangerschaft werden Frauen „gedrängt“ und unter „Druck“ gesetzt, von wem auch immer.

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